Wo das Abwasser bergauf fließt

BONNDORF. Die kleine Kläranlage in Boll ist stillgelegt – das Abwasser wird seit einiger Zeit über den Berg hinweg in die Bonndorfer Kläranlage gepumpt. Eigens dafür wurde ein neues Pumpwerk in Boll errichtet. Zu einer Besichtigung des Bauwerkes hatten die Gemeinderatskandidaten der SPD eingeladen, denn – das wurde bei dem Wahlkampftermin deutlich – nicht einmal die Boller Bürger wissen offenbar, was sich hinter der eher unscheinbaren Fassade verbirgt.

Die Ratsvertreterin der SPD aus Boll, Heidi Saddedine, freute sich über das Interesse an der Besichtigung, für detaillierte Informationen stand Werner Steiert vom Stadtbauamt zur Verfügung. Einen Abstecher nach Boll hatte auch Bürgermeister Michael Scharf gemacht, und als prominenten Gast konnten die Genossen die parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter begrüßen. Diese lobte denn auch das Abwasserprojekt der Stadt, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass die Reinigungsleistung einer großen Kläranlage eben wesentlich effektiver sei, als die kleiner Anlagen – wie jene in Boll. Werner Steiert ging anschließend auf den Anlass der Maßnahme, die insgesamt stolze 850 000 Euro verschlungen hat, ein. Der extreme Starkregen im Jahr 2015, der die 1980 erbaute Kläranlage in Boll überschwemmt und zerstört hatte, sei ein wesentlicher Punkt gewesen. Hinzu kam aber auch noch die Tatsache, dass die Betriebserlaubnis für die Anlage im Jahr 2016 ausgelaufen war. Eine Sanierung der Anlage wäre laut Steiert zwar kostengünstiger gewesen, allerdings hätte man Abstriche bei der Reinigungsleistung machen müssen und – auch die Unterhaltungskosten wären hoch geblieben. Insofern habe man sich für einen Druckleitungsbau mit Pumpwerk entschieden. Das Boller Abwasser wird 160 Meter den Berg hoch gepumpt, ein Anschluss ins Kanalnetz zur Bonndorfer Kläranlage wurde in der Bergstraße verwirklicht. Bei der Finanzierung des 850 000 Euro Projektes seien Fördermittel in Höhe von 220 000 Euro geflossen. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl in Boll hat die Stadt 6000 bis 7000 Euro pro Kopf investiert. „Das Ergebnis ist jetzt optimal“, versicherte Werner Steiert, und wie die Sache funktioniert, davon konnten sich die Anwesenden dann selbst ein Bild machen. Befürchtungen einer Geruchsbelästigung bestätigten sich nicht. Einen Punkt sprachen die SDP-Kandidaten aber noch an: Schön wäre es, wenn im Bereich des Pumphauses auch noch eine öffentliche WC-Anlage installiert werden könnte. Die öffentliche Toilette war denn auch noch Thema in der anschließenden Gesprächsrunde im Bürgerhaus. Rege diskutiert wurde ferner über städtisches Bauen und Kindergartengebühren und sanierungsbedürftige Verbindungsstraßen nach Tiefental und Münchingen.

Quelle: Badische Zeitung vom 7. Mai 2019

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