Von Weizsäcker spricht über Klimaschutz

Schmelzende Polkappen, steigende Meere – für den bekannten Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker ist der Klimawandel das Zukunftsthema unserer Zeit. Darüber berichtet er in seinen Vortrag „Klimaschutz als Gewinnspiel“ vor rund 70 Zuhörern im Trompeterschloss. Gastgeberin Rita Schwarzelühr-Sutter schätzt an Weizsäcker besonders, dass er nicht nur ein kluger Kopf sei, sondern „auch weiß, wie man den Klimaschutz richtig vermittelt.“ Sie sollte recht behalten: Mit Anekdoten aus seiner Zeit in der Politik oder seinem Arbeitsumfeld als Wissenschaftler wusste Weizsäcker, wie er das Publikum nicht nur unterhalten, sondern auch lehren kann. Hinzu kamen Seitenhiebe auf politische Gegner und Leugner des Klimawandels: „Die Leute die denken, Klimaschutz schade der Wirtschaft, lesen keine Zeitung oder denken nicht nach. Vielleicht auch beides“, so Weizsäcker. Der studierte Physiker erklärte, dass der Zusammenhang zwischen Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und der ansteigenden Temperatur „Gewissheit“ sei.

Weizsäcker, Sohn des Physikers und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker und Neffe des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, machte die Bedrohung deutlich: Eisplatten der Antarktis und von Grönland könnten ausreichen, um den Meeresspiegel bis zu 14 Meter steigen zu lassen. „Fukushima ist dagegen harmlos“, sagte Weizsäcker. „Die Industrie denkt, dass das vor allem furchtbar teuer wird. Erneuerbare Energie ist günstiger als diese Katastrophe und kann sogar ein Gewinnspiel sein.“ Dass der Klimaschutz wirtschaftlich und die Nutzung von Energie effizienter sein muss, war eine Kernaussage von Weizsäcker.

Die Aufgabe der Politik sei es also, wirtschaftliche Anreize zu schaffen, damit die Industrie auf den Klimaschutz setzt, um Geld zu verdienen. Als Beispiel nannte Weizsäcker die Vergabe von Lizenzen für die Nutzung der Atmosphäre. Durch die frühe Industrialisierung würde die Lizenz für Deutschland schon in fünf Jahren auslaufen, während China noch etwa 30 und Entwicklungsländer noch 80 Jahre hätten. Der Handel mit diesen Lizenzen würde laut Weizsäcker dazu führen, dass vor allem letztere merken, dass ihre Lizenz gleichzeitig Kapital ist, das gefördert werden kann. „Die Entwicklungsländer bauen dann keine Kohlekraftwerke mehr, das würde ihnen sonst wirtschaftlich schaden.“

Zur Energieeffizienz stellte Weizsäcker eine Frage in den Raum, die er auch schon Physikstudenten gestellt habe: Wie viel Kilowatt pro Stunde benötigt es, um einen Eimer mit zehn Litern Wasser auf die Spitze des Mount Everests zu bringen? Der Wissenschaftler beantwortete die Frage schließlich selbst: Ein viertel Kilowatt. „Das sind Kraftpakete und wir verschleudern sie für ein paar Cent.“ Auch hier müsse die Politik ansetzen und dafür sorgen, dass steigende Energieeffizienz zu einem wirtschaftlichen Mehrwert führt.

Quelle: Südkurier vom 15. September 2017

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