Tiefer Vertrauensverlust in Geschäftsführung der Spitäler GmbH

BAD SÄCKINGEN. Die Forderung, dass der Kreistagsbeschluss, der ein Krankenhaus im Landkreis Waldshut an zwei Standorten vorsieht, umzusetzen sei und die Sanierungen am Spital Bad Säckingen vorangetrieben werden müssten, hätte wohl jeder Besucher der Diskussion zum Thema „Medizinische Versorgung im ländlichen Raum“ am Montagabend im Kursaal unterschrieben. Die Debatte offenbarte aber auch einen tiefgreifenden Vertrauensverlust von Ärzten, Pflegekräften und Bürgern in die Geschäftsführung der Spitäler Hochrhein GmbH.

Der SPD-Kreisverband hatte die drei Mitglieder des Arbeitskreises Soziales im Landtag, Sabine Wölfle, Rainer Hinderer und Andreas Kenner, sowie deren Berater Roland Klose eingeladen. Die Kreisvorsitzende, Staatssekretärin und Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter bekräftigte, dass sich die SPD für gleichwertige Lebensverhältnisse, egal ob in der Stadt oder im ländlichen Raum, wo die Häuser oft nicht rentabel seien, einsetze: „Zentralkrankenhaus hin oder her – bis zur Fertigstellung muss eine gute Versorgung sichergestellt werden“. Bürgermeister Alexander Guhl kritisierte, dass die Diskussion nicht mit jener Bürgernähe, wie er sie erwarte, geführt werde. Von vielen Seiten wurde Kritik am bündnisgrünen Landessozialminister Manfred Lucha geübt, der Anfragen von Abgeordneten, kommunalen Amtsinhabern und Bürgern entweder sehr spät oder gar nicht beantworte.

Laut Guhl könne der Gesundheitsstandort Bad Säckingen auf ein Spital nicht verzichten, denn dies sei wichtig, um niedergelassene Ärzte an die Stadt zu binden. „Solange ich Bürgermeister bin, werde ich mich nie mit einem Zentralkrankenhaus abfinden“, sagte er. Rainer Hinderer warb für den Zehn-Punkte-Plan der SPD für mehr Landärzte. Kommunen könnten durch die Bereitstellung von Gemeinschaftspraxen Alternativen zur rar werdenden „klassischen“ Landarztpraxis anbieten. Er betonte, dass trotz der gebotenen Spezialisierung eine flächendeckende Grundversorgung und eine stationäre Notfallversorgung erhalten bleiben müssten. „Letztlich entscheidet der Krankenhausträger, ob er defizitäre Strukturen mit öffentlichen Mitteln kompensiert.“ In diesem Sinne schnitt Andreas Kenner eine wichtige Frage an: „Muss ein Krankenhaus denn schwarze Zahlen schreiben?“ Die Diskussion, wieviel eine Gesundheitsversorgung wert sei, müsse man führen, unabhängig von der Standortfrage. Seine Ansicht: „Unsere qualitativen Ansprüche an die medizinische Versorgung werden wir nicht halten können, wenn wir nur auf schwarze Zahlen schauen.“

Beatrix Köster, die Vorsitzende des Fördervereins Spital Bad Säckingen, betonte, dass das Krankenhaus Lörrach, ganz im Gegensatz zu Bad Säckingen, kein Problem mit der Abwanderung medizinischen Personals in die Schweiz habe. Im Landkreis Waldshut gebe es nur 267 Betten pro 100 000 Einwohner, das sei viel zu wenig. Der Kreistagsbeschluss sei umzusetzen, und die Operationssäle müssten in Bad Säckingen so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. In diesem Sinne betonte der Vereinsvize Jürgen Stadler, dass „wir in unserem Landkreis mit einem Zentralkrankenhaus nicht auskommen werden, zumal dies auch nichts anderes sein wird als ein Haus der Grund- und Regelversorgung.“ Er sei nicht grundsätzlich gegen eine zentrale Lösung, dann aber müssten Anlaufstellen für Leute, die schnell Hilfe benötigten, vor Ort sein. Im Briefwechsel mit staatlichen Stellen erhalte man immer die gleiche Antwort, dass nämlich eine Bettenreduzierung aus wirtschaftlichen Gründen gewünscht sei.

Seine Bilanz: „Die Medizin ist zu einem Wirtschaftsgut verkommen, und die Gesundheitsversorgung im Kreis Waldshut ist im Eimer.“ Der Grund für die Personalnot liege darin, dass Ärzte und Pfleger von der Geschäftsführung nicht anerkannt würden. Unter viel Beifall sprach er von einem zerrütteten Vertrauensverhältnis. Für Köster ist „eine Zusammenarbeit mit dieser Geschäftsführung nicht mehr möglich“, daher sei eine Loslösung von Waldshut und die Schaffung eines Bürgerspitals die beste Lösung. Rolf Metzger verwies darauf, dass man seit September auf die Wiedereröffnung der OP-Säle warte. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wie das Spital Waldshut überlastet sei und Patienten mit Beschwerden immer wieder vertröste. Auch Rita Schwarzelühr-Sutter und die stellvertretenden Kreisvorsitzenden Volker Jungmann und Peter Schallmayer kritisierten, dass die Geschäftsführung den Kreisräten beschönigende Zahlen vorgelegt habe.

Quelle: Badische Zeitung vom 5. Juli 2017

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