SPD Bonndorf blickt nach vorn: Was in der Löwenstadt geplant und möglich ist

Die „Dankwein“-Übergabe (Roter Bär) durch SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Peter Schallmayer (links) erfreuten Nicole Messerschmid (Bauamt) und Bürgermeister Michael Scharf

Anschaulich zeigte der Ortsverein der SPD beim Stadtspaziergang, was Kommunalpolitik bedeutet und wie direkt sie das Leben der Menschen beeinflusst. Angenommen hatten die Einladung rund zwei Dutzend Einwohner, inklusive der SPD-Gemeinderäte und Bürgermeister Michael Scharf (CDU), der sich als Kompetenzassistenz Nicole Messerschmid vom Bauamt mitgenommen hatte. Drei Stationen machten deutlich, was in der Stadt in den nächsten Jahren läuft oder laufen kann.

Gemeinderätin Heidi Saddedine erläuterte, was Privatinvestor Ralf Hirschbeck auf dem Gelände der ehemaligen Jugendherberge plant. Beim „Waldfrieden“ handelt sich um ein neu entstehendes Wohngebiet. Im Rahmen einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung konnten Bürger bei einer Versammlung Anregungen und Bedenken bereits vorbringen.

Auf rund 25 000 Quadratmetern entstehen nach jetzigem Planungsstand 23 Bauplätze, die über einen Rundweg an die Waldalle erschlossen werden sollen. Zum Sportplatzweg gibt es laut Planungsstand einen Fußweg. Fragen warfen nun abermals die Kanalisation und eine möglicherweise weitergehende Überlastung derselben auf. Das war jedoch bei der Infoveranstaltung bereits ausgeräumt worden. Auch eine enge Parkplatzsituation und die durch die Allee in ihrer Breite begrenzte Straße wurden angesprochen.

Es handle sich hierbei um eine politisch gewollte Nachverdichtung, erläuterte Michael Scharf. Kommunalen Flächenverbrauch habe die Landesregierung mit Innenverdichtung und dem Nicht-mehr-Ausweisen neuer Baugebiete reduzieren wollen. „Mir gefällt der Begriff nicht, es geht hier um eine andere Nutzung der Fläche.“ Im Übrigen habe sich das Statistische Landesamt vertan. Nicht mit einem Bevölkerungsrückgang habe man zu tun, sondern mit einer plötzlichen Steigerung. Allein in Bonndorf lebten 600 Osteuropäer, die sich nach kurzen Mietphasen in Eigenheimen einrichten wollten.

„Wir haben innerhalb von zwei Monaten 20 Grundstücke verkauft, so eine Nachfrage hatten wir noch nie“, so Michael Scharf über die städtischen Grundstücke. Begrüßenswert sei deshalb ein solches Engagement eines Privatinvestors. Dies sei umso mehr der Fall, als einst darüber diskutiert worden war, in der ehemaligen Jugendherberge Flüchtlinge unterzubringen. „Das wären Flüchtlingszahlen in dreistelliger Größenordnung gewesen. Wenn man zu viele Menschen, egal woher, eng ’zusammensperrt’, knallt es üblicherweise. Deshalb bin ich besonders stolz über das, was hier passiert.“

Die Einführung zum Studer-Gelände übernahm schließlich Gemeinderat Tilman Frank. Er berichtete von den ursprünglichen Planungen des Schmidt’s Marktes an dieser Stelle. Das Lärmgutachten stand entgegen. Nur mit einer fünf Meter hohen Mauer gegen das direkt via Waldstraße angrenzende Wohngebiet wäre das möglich gewesen. Weitere Planungen mit Lidl, Aldi und dm-Markt auf dem insgesamt rund 24 000 Quadratmeter großen Gelände, seien möglich. Lärm würde eine geringere Rolle spielen, vor allem wegen des deutlich geringeren Lieferverkehrs.

Rund 4000 Quadratmeter der Fläche sind bereits vergeben, an die Zieglerschen Anstalten, die an dieser Stelle Arbeits- und Wohnstätten für 24 Menschen mit schwersten Behinderungen einrichten. Das würde mit etwa genau so vielen Betreuern in verschiedenen Berufszweigen weitere qualifizierte Arbeitsplätze nach Bonndorf bringen.

Seit Mittwoch, 8. August, liegt der Bauantrag der Firma Schmidt für den an alter Stelle in der Bahnhofstraße zu errichtenden neuen Markt der Stadtverwaltung vor. Diese für alle, auch den Bürgermeister, neue Information hatte Nicole Messerschmid im Gepäck. Michael Scharf darüber hinaus: Wenn alle Planungen für den Schmidt’s Markt in trockenen Tüchern seien, wolle man auf „dem Filetstück der Stadt“ an weitere Planungen gehen. Die Planungsmöglichkeit und das Interesse der genannten Gewerbetreibenden bestünden zwar. „Wir beginnen mit der Planung aber bei null.“

So ergebnisoffen war die Nutzung für dieses Gelände in seinen Augen, dass er die Bevölkerung anregte, aktiv Ideen einzubringen. Von ihm selbst kam die Alternatividee für eine zentrale Kindereinrichtung. Es kamen Vorschläge hinzu, von einer Sporthalle bis zum Hallenbad oder einem Schulstandort mit Gymnasium.

Die einzige Einschränkung, die Michael Scharf machte: Er wolle keine Klein-Klein-Planung, die die große Fläche zerstückele. „Das ist eines der wichtigsten, zentralen Grundstücke. Welche Stadt hat intern so viel Gelände zur Planung zur Verfügung?“, so Michael Scharf. SPD-Gemeinderat Tilman Frank, äußerte sich hocherfreut. „Das ist das Schöne an dieser Veranstaltung, dass wir nun wissen, dass wirklich alles offen ist.“

Ein Musterklassenzimmer werde noch während der Ferien Handwerkern „zur Verfügung“ gestellt, meinte Schulleiter Tilman Frank im Lehrerzimmer der Realschule, die im Jahr 2021 50 Jahre alt werde. 2001 sei das Ursprungsgebäude erstmals ertüchtigt worden, etwa mit neuen Fenstern, wie Nicole Messerschmid erläuterte. Im Zentralbau stünden nun aber Erneuerungen an, die Stück für Stück durchgeführt werden müssen.

Im technischen Bereich seien das vor allem die Wasserleitungen, es ginge aber auch um Waschbecken, neue Türen, Böden, Decken oder auch Beleuchtung, so Nicole Messerschmid auf Nachfrage. Nach der Sanierung dieses einen Musterklassenzimmers sollen Stück für Stück jeweils zwei bis drei Klassenzimmer die nächsten Jahre saniert werden. Damit müssten die Schüler einerseits nie ausgelagert werden, andererseits seien die Investitionssummen nie so hoch.

Quelle: Südkurier vom 13. August 2018

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