Murg macht vor, wie Klimaschutz geht

Anerkennung von höchster politischer Ebene gab es am Mittwoch für die Klimaschutz-Politik der Gemeinde Murg und der Initiative Murg im Wandel. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zeigte sich bei ihrem Gemeindebesuch „beeindruckt, wie Murg an das Thema rangeht“. An die Vertreter der Gemeinde und der Initiative gerichtet, erklärte die SPD-Politikerin: „Ohne Menschen wie sie wären Klimaschutzziele reine Absichtserklärungen.“ Zum Abschluss trug sich die Ministerin als erste prominente Besucherin der Gemeinde in deren neu eingeführtes Goldene Buch ein.

Vermittelt hat den Besuch die SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter, die Staatssekretärin in Hendricks Ministerium ist. „Murg ist ein Leuchtturmprojekt“, zollte sie Respekt für die Anstrengungen der Gemeinde für den Klimaschutz. Viele wichtige Schritte, insbesondere der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, seien in städtischen Raum einfacher zu bewerkstelligen. „Aber Murg zeigt, dass es auch im ländlichen Raum funktionieren kann.“

In ihrer kurzen Rede im Murger Ratssaal ließ die Ministerin keinen Zweifel daran, dass sie lokalen Klimaschutzmaßnahmen eine zentrale Rolle beimisst. Das Leben in Deutschland klimaneutral zu gestalten stelle „die große Herausforderung in diesem Jahrhundert“ dar. Für dieses Ziel müssten die Menschen gewonnen, motiviert und begeistert werden. Auch die soziale Balance müsse im Auge behalten werden, Klimaschutz dürfe kein Elitenprojekt sein. Hendricks: „Ich bin sicher: Wir werden in Zukunft anders leben, aber nicht schlechter.“

Andere Worte für die selbe Aussage wählte Karl Geck, der die Arbeit von Murg im Wandel vorstellte. Die Initiative habe sich zum Ziel gesetzt „normale Bürger zu erreichen statt eh immer nur die selben“. Dafür sei es wichtig, dass bei Klimaschutz-Projekten Vorteile möglichst fassbar würden. Dies sei beim Bürgerbus der Fall. Weitere wichtige Aspekte der Arbeit von Murg im Wandel seien die Vernetzung mit ähnlichen Initiativen und das Nachdenken über wichtige Themen in den Zukunftsgesprächen. Als „Glücksfall“ bezeichnete Geck, dass Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und Bürgermeister mit der Initiative am selben Strang zögen.

Anders als viele andere hochrangige Politiker war Hendricks nicht mit Verspätung, sondern exakt fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin in Murg eingetroffen. Zunächst ließ sich die Ministerin von Bürgermeister Adrian Schmidle und Bademeister René Flohr im Murhena erklären, wie ein öffentliches Freibad ohne Chemie und mit weniger Kosten funktioniert als eine konventionelle Badeanstalt.

Im Rathaus dann berichtete Klimaschutzmanager Maximilian Rüttinger über seine Arbeit und den mittlerweile schon acht Jahre langen Weg Murgs hin zu einer nachhaltigen Gemeinde. Er erwähnte den Bau der Bürgersolaranlage auf verschiedenen öffentlichen Gebäuden und und der Fernwärmeheizungen in Murg und Niederhof. Hendricks, deren Ministerium die Personalkosten von kommunalen Klimaschutzmanagern in den ersten drei Jahren zu zwei Dritteln, in den beiden folgenden Jahren zur Hälfte trägt, hatte den Eindruck, dass in Murg diese Gelder gut angelegt seien.

Der Besuch der Ministerin umfasste auch Informationsgespräche mit den Fahrern des Bürgerbusses und danach mit Mitgliedern der Initiative Murg im Wandel sowie mit Bürgern. Der Besuch klang bei kühlen Getränken auf der Dachterrasse des Rathauses aus.

Quelle: Südkurier vom 6. Juli 2017

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