Lob für Murgs Vorreiterrolle

MURG. Die Überzeugung, dass der Klimawandel vor Ort beginnen müsse und von Überzeugungsarbeit zu begleiten sei, war wohl ausschlaggebend dafür, dass Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Einladung ihrer Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, nach Murg zu kommen, angenommen hatte. Bei ihrem Besuch am Mittwoch (siehe auch BZ vom Donnerstag) suchte sie Politikerin daher das Gespräch mit der Initiative Murg im Wandel und lobte die Vorreiterrolle der Gemeinde.

Hendricks sprach von der Überzeugungsarbeit, die sie mit der Parteifreundin aus dem Wahlkreis Waldshut auf internationalen Konferenzen zu leisten habe, und betonte, dass die Überzeugungsarbeit zu Hause genauso wichtig sei, um das Ziel, bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral zu leben, zu erreichen. Dies sei bei der Stromgewinnung möglich, beim Verkehr sehe sie immerhin Ansätze, Fragezeichen gebe es bei Landwirtschaft und Industrie. Zur Braunkohle, gerade in ihrer niederrheinischen Heimat ein großer Wirtschaftsfaktor, erklärte sie die Forderung der Grünen, die Kohleverstromung rasch zu beenden, als unrealistisch, weil dies aus technischen Gründen kaum möglich sei, aber auch „weil wir die Menschen für den Wandel gewinnen müssen“.

Das lange propagierte und oft auch realisierte Konzept der autogereichten Stadt zu überwinden und gemäß der „Charta von Leipzig“ die Bereiche Leben und Arbeit wieder zusammenzuführen, sei zwar sinnvoll, aber schwierig umzusetzen. „Niemand will das Autofahren verbieten, aber es wird künftig vielleicht nicht mehr zwei Autos pro Familie geben.“ Wichtig sei es, einen guten öffentlichen Personennahverkehr als Alternative anzubieten. „Wer werden in Zukunft anders leben, aber nicht schlechter“, so ihr Versprechen. Bei ihrem Eintrag in das nagelneue Goldene Buch bezeichnete sie den Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung als „unsere gemeinsame Aufgabe“.

Nach einem Besuch im MuRheNa-Bad (wir berichteten) stellte Klimaschutzmanager Maximilian Rüttinger die Kohlendioxid-Einsparungen der Gemeinde sowie das Klimaschutzkonzept vor. Dann besichtigten die Gäste den Bürgerbus und kamen mit den Fahrern ins Gespräch. Für Schwarzelühr-Sutter ist dieses Projekt ein Beweis, dass man auch auf dem Land umweltfreundliche Mobilität organisieren kann. Überrascht von dem Besuch war der 15-jährige Valentin Wassmer, der gerade per Zug von Bad Säckingen angereist war und mit dem Bürgerbus nach Oberhof fahren wollte. „Ich nutze den Bus drei Mal pro Woche, das ist eine gute Sache.“

Karl Geck bekam die Gelegenheit, die Initiative Murg im Wandel vorzustellen: Ihr Ziel sei es, sich für eine Welt einzusetzen, in der ein gutes Leben nicht nur für eine Minderheit möglich sei und die Lebensgrundlagen erhalten blieben.

In der Diskussion mit Bürgern im Ratssaal blieben kritische Fragen zu den Kosten der Energiewende und den nach wie vor sehr hohen Treibhausgasemissionen in Deutschland aus. Allerdings sprach Dieter Schwandt aus Laufenburg den Konflikt zwischen Wasserkraft und Naturschutz am Beispiel der Fische im Rhein an. Hendricks verwies auf technische Lösungen wie Fischtreppen oder Windräder, die sich beim Nahen von Vogelschwärmen selbst abschalten könnten. Auf die Frage von Jürgen Pritzel, ob das Umwelt- nicht dem Wirtschaftsministerium übergeordnet werden müsste, meinte sie, dass es keine Hierarchien, sondern Abstimmungsrunden gebe. Interessenkonflikte mit den Ministerien für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft seien manchmal vorhanden.

Quelle: Badische Zeitung vom 7. Juli 2017

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