Es bleibt ein Lernprozess

BONNDORF. Im Rahmen des Bonndorfer SPD-Stadtspaziergangs für Bürger (die BZ berichtete) wurden auch Folgen der Landesschulpolitik für die örtliche Schullandschaft besprochen. Über die Situation der Realschule, die künftig die einzige weiterführende Schule in der Stadt sein wird, weil die Werkrealschule nur noch kommendes Jahr existiert, äußerte sich SPD-Gemeinderat und Schulleiter Tilman Frank vorsichtig optimistisch.

Tilman Frank: „Wir haben nun alle Schüler hier im Bildungszentrum. Schüler mit Gymnasialempfehlung wollen wir halten. Wir haben Realschüler und Werkrealschüler sowie Hauptschüler. Das ist nicht einfach, wir arbeiten daran, lernen. Und wir bekommen das hin.“

Mit 38 Lehrern und derzeit noch drei Lehrern der Werkrealschule arbeite man hochmotiviert und organisatorisch Hand in Hand, so Tilman Frank. Über eine zweite Schulsozialarbeiterin habe demnächst der Gemeinderat zu befinden. Diese solle dann praktisch ausschließlich in der Prävention tätig sein. In den 28 Klassenzimmern werden derzeit 23 Regelklassen unterrichtet, hinzu komme die Vorbereitungsklasse VKL, die vor allem von Flüchtlingen besucht wird, um diese sprachlich auf das richtige Niveau zu bringen. Hinzu kommen einige Fachräume, sodass das Raumangebot gut, aber nicht überreichlich sei.

Schulentwicklung geschehe an der Realschule allerdings vor dem Hintergrund einer nach wie vor unausgegorenen Landesschulpolitik, so das Empfinden praktisch aller Fachkräfte an der Front, ließ Tilman Frank erkennen. Beispielsweise dürften Schüler ab Klasse acht auf Gymnasialniveau unterrichtet werden. Ebenso wie andere sich ab Klasse sieben entscheiden könnten, ihre Klassenarbeiten auf Hauptschulniveau zu schreiben, um dann auch einen solchen Abschluss nach der neunten Klasse zu machen. Eine Differenzierung nach den Stärken der Schüler und Unterricht in verschiedenen Fächern auf neigungsbedingt unterschiedlichem Niveau sei aber vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. „Auf den Rücken der Kinder macht man unlogische Sachen“, so Tilman Frank. Das sei gewissermaßen eine verstecke Fortführung der Dreigliedrigkeit innerhalb einer Schule, wie Tilman Frank auf Nachfrage erläuterte.

Tilman Frank bedauerte, dass es mit der Gründung des Schulzweckverbands vor sieben Jahren, der fünf Gemeinden umfasst, die gemeinsam Schulentwicklung betreiben wollten, nicht gelungen sei, einen gymnasialen Abschluss direkt in der Region zu ermöglichen. Diese Vision sei realistisch derzeit nur über eine Gemeinschaftsschule zustande zu bringen, die nach Klasse zehn eine Sekundarstufe zwei anbieten könne. Um eine solche Genehmigung bemühe sich derzeit die einzige Gemeinschaftsschule der Region in Wutöschingen. Das sei aber auf dem Zweckverbandsgebiet in den Schulen aktiv verhindert worden. Nun sei aus dieser Zeit kein Rektor mehr da. „Die einzige Chance wäre ein solcher Aufsetzer, das können wir uns ja wieder auf die Agenda setzen.“ SPD-Gemeinderat Bruno Kalinasch äußerte sich dazu, sich vorab für seine Emotionalität entschuldigend: „Ich bin den Rektor damals öffentlich angegangen. Wenn wir das Thema noch einmal aufgreifen, wünsche ich mir, dass wir forscher vorgehen, dass wir das einfach machen und nicht ewig mit allen möglichen diskutieren.“ Dass Austausch mit den umliegenden Gemeinden jedoch nötig sei, machte Bürgermeister Michael Scharf klar, denn für die Genehmigung eines gymnasialen Zweiges müssten nachhaltig 60 Schüler im Einzugsgebiet in Frage kommen.

Aus einem riesigen Einzugsgebiet speise sich die Schülerschaft der Realschule, so Tilman Frank – von Ühlingen-Birkendorf über Wutach nach Lenzkirch, Neustadt, Hüfingen. Mit den Grundschulen sei man in engem Austausch, um auch langfristig noch besser zusammenarbeiten zu können. Die Stadt sorge auch bezüglich der Ausstattung für gute Lösungen. „Diese Unterstützung ist optimal. Wir haben genügend Stunden, wir haben genügend Lehrer, wir können wirklich positiv denken“, so Tilman Frank.

Quelle: Badische Zeitung vom 16. August 2018

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