Bonndorfer Juso zu den GroKo-Verhandlungen

„Hier geht es um Deutschland, das ist ein Meisterwerk, das die ältere Generation hier aufgebaut hat“, sagt David Strittmatter. Der Juso fühlt politische Verantwortung, nicht nur für seine Partei, die SPD, sondern für das Land. Hier ist er aufgewachsen, hat die Realschule in Bonndorf besucht und hinterher das Wirtschaftsgymnasium in Waldshut. Seit vier Monaten studiert Strittmatter BWL in Mannheim und ist nun endlich heimgekommen, ein Heimatpraktikum für das Studium wird die Semesterferien füllen. Die Freude über das Wiedersehen mit seinen sieben Geschwistern der Patchworkfamilie, mit Mutter und Vater, ist ihm noch ins Gesicht geschrieben.

Etwa genauso lange wie David Strittmatter zum Studieren nicht mehr ständig in der Löwenstadt weilt, ringt die Bundespolitik um eine Regierung. Nachdenklich beurteilt er die gegenwärtige Situation, maßt sich nicht an, auf alles eine Antwort zu haben. Am Wahlabend selbst noch war er ganz bei Martin Schulz. „Mein Bauchgefühl hat mir damals gesagt, dass wir eben nicht das Vertrauen bekommen haben. Ich fand es richtig, Nein zur GroKo zu sagen. Meine Hoffnung war, dass man ohne uns schon merkt, wie wichtig wir sind und dass Deutschland ohne uns anders ist.“

Zwischenzeitlich hat Strittmatter sein Denken von der reinen Parteienbefindlichkeit abgesetzt: „Mein Verstand sagt mir, dass wir eine Verantwortung für die Gesellschaft haben und wir mit 20 Prozent Zustimmung uns nicht einfach in die Ecke zurückziehen können und schmollen. Wir müssen aus der Situation das Beste herausholen.“ Darüber, dass nun massenweise Neumitglieder in die Partei gelockt werden, in der „Juso-Hoffnung“, diese mögen bei der großen Mitgliederbefragung gegen die Große Koalition stimmen, habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Das sei ein Mittel, wie man ein politisches Ziel erreichen könne. „Aber man kann schon hinterfragen, wie demokratisch es eigentlich ist, dass SPD-Mitglieder entscheiden können, ob sie für eine Große Koalition sind. Damit werden sie ja über die Wähler gestellt“, meint Strittmatter.

Politisiert wurde David Strittmatter eher zufällig. Es war sein Onkel, nur wenige Jahre älter als er selbst, der ihm diese Welt eröffnet hat: Komm doch mal mit, die Jusos wären etwas für Dich, habe der Onkel gemeint und Recht behalten. Damals war David Strittmatter 15 Jahre alt. Der Onkel ist zwischenzeitlich schon lange nicht mehr so politisch interessiert wie sein Neffe. Kein großes Thema sei Politik auch bei ihm daheim gewesen, sagt der junge Mann über seine Kindheitsjahre. Das habe sich allerdings etwas geändert: „Meine Eltern finden spannend, was ich mache. Sie nehmen Nachrichten bewusster wahr, seit ich mich mit Politik beschäftige und wenn es um die SPD geht, fragen sie oft, was ich denke.“

Viel könne man über politischen Stil der einen oder anderen streiten, ist David Strittmatter überzeugt. Aber natürlich blitzt Stolz und Zustimmung für seine Partei durch: „Ich finde es schon gut, dass wir so transparent und offen diskutieren. Zu streiten, eine kontroverse und sachliche Diskussion zu führen, halte ich für sehr wichtig.“ Zu ähnlich seien sich die großen Parteien in den vergangenen Jahren geworden. Man habe gar nicht mehr unterscheiden können, wer hier für was stehe, meint er zu wachsenden Politikverdrossenheit. „Die Menschen sehnen sich nach klaren Positionen.“

Ein starkes Europa, die Digitalisierung und soziale Gerechtigkeit seien für ihn die ersten Stichworte, die ihn an der Politik bewegten. Gerade als junger Mensch mit vielen Geschwistern habe er genau diese Themen immer im Kopf. Fein schmunzeln muss er über sein Studienumfeld. „Jusos sind bei Betriebswirtschaftlern die absolute Minderheit“, sagt er. Das gälte allerdings auch für das hiesige ländliche Umfeld. Seine Meinung zu vertreten sei für ihn dennoch kein Thema. Das habe er in der Jugendorganisation seiner Partei von Anfang an gelernt, nicht zuletzt bei Weiterbildungen.

„Politik macht Spaß und macht Arbeit. Man redet über spannende Themen, unternimmt gemeinsam etwas und kann schon in jungen Jahren viel bewegen“, meint David Strittmatter und will damit für mehr Engagement und Politiklust bei jungen Menschen werben. Beispielsweise seien es die Jusos gewesen, die letztlich dafür gesorgt hätten, dass es in Baden-Württemberg keine Studiengebühren mehr gibt.

Quelle: Südkurier vom 31. Januar 2018

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