Bonndorfer Genossen analysieren das Wahlergebnis

BONNDORF. Bewegte politische Zeiten diskutierte der SPD-Ortsverein Bonndorf im Zuge einer Mitgliederversammlung zum Jahresausklang. Mit 16 Teilnehmern eine überschaubare, jedoch engagierte Gruppe resümierte insbesondere den Ausgang der Bundestagswahl im Oktober. In der Personaldiskussion um die 2018 bevorstehenden Vorstandswahlen kamen die Genossen allerdings noch nicht entscheidend weiter.

Eine engagierte Leistung im Wahlkampf attestierte Ortsvereinsvorsitzender Peter Schallmayer den Bonndorfer Genossen. Man habe nicht nur den Internetauftritt modernisiert, auch durch Kampagnen wie die Bodenzeitung oder die Organisation etlicher Besuche von Kandidatin Rita Schwarzelühr-Sutter in der Löwenstadt forderten den Verein. Positiv bewertet, obgleich sehr zeitaufwendig, sei die Tür-zu-Tür-Aktion in Bonndorf gewesen. Die Genossen seien doch überwiegend herzlich aufgenommen worden. Wolfgang Schönberg merkte jedoch an, dass sich die Genossen in der Raumschaft Bonndorf auf CDU-Wahlterritorium bewegten und die Tür-zu-Tür-Aktion nicht überall zweckführend sei. Peter Schallmayer gab zu bedenken, dass es ansonsten schwierig sei, mit den Wählern in Kontakt zu kommen. Ein Augenmerk müsse auf der Jugend liegen. Walter Reiser regte an, zwischen den Wahlterminen öfters Präsenz zu zeigen, wenigstens einmal jährlich, um Themen aus der Bevölkerung aufzunehmen beziehungsweise dorthin zu transportieren. Michael Kaufmann regte Impulsreferate an, etwa zur Digitalisierung und Automatisierung oder auch dem Turbokapitalismus.

Die Analyse der Bundestagswahl ergab aus Sicht von Peter Schallmayer mit 17 Prozent der Zweitstimmen für die SPD ein etwas besseres Ergebnis als im Wahlkreis und auf Landesebene (jeweils 16,4 Prozent). Der engagierte Wahlkampf des Ortsvereins habe sich für Rita Schwarzelühr-Sutter insbesondere in Bonndorf und Grafenhausen (jeweils 23,71 Prozent der Erststimmen) ausgezahlt und habe deutlich bessere Ergebnisse geliefert als auf Wahlkreisebene (16,4 Prozent). Besonders stark sei ihr Abschneiden im Stadtkern (24,1 Prozent), aber auch in Wellendingen (20,3 Prozent) und Gündelwangen (24,7 Prozent) gewesen. Dagegen ziehe die Partei als solches in den Ortsteilen weniger, was sich an den Zweitstimmenergebnissen ablesen lasse. Entscheidend mit Blick auf ein mageres Abschneiden der AfD sei jedoch die Wählerzustimmung zur CDU gewesen – überall dort, wo die Christdemokraten stark abgeschnitten haben, habe die AfD geschwächelt, resümierte Peter Schallmayer. Es sei erfreulich, dass die SPD in Bonndorf bei der Bundestagswahl (17 Prozent der Zweitstimmen) besser abgeschnitten habe als bei der Landtagswahl (11,5 Prozent) 2016.

Überhaupt sei die Themenfindung für Wahlkämpfe entscheidender geworden, merkte Bruno Kalinasch an. Die SPD verzettele sich zu arg in deutschen Einzelfragen, die für Menschen zwar elementar, mittlerweile jedoch selbstverständlich geworden seien. Er plädierte, sich verstärkt globalen Themen anzunehmen, die auch auf die deutsche Gesellschaft zurückschlugen. Bruno Kalinasch nannte die Digitalisierung und die dadurch beeinflusste Arbeitsplatzwelt, aber auch die global agierenden Medien mit ihrer immer schneller werdenden Information. Die Menschen sehnten sich nach einer Work-Life-Balance (deutsch: Balance zwischen Arbeit und Leben) – dies äußere sich in einem Wunsch nach Ausgewogenheit bei Arbeitsplatzsicherheit, Familie und Freizeit. Die SPD dürfe jedoch auch nicht die Themen im Kleinen vergessen, merkte Michael Kaufmann an.

Peter Schallmayer ehrte Wolfgang Schönberg für 45-jährige Mitgliedschaft bei der SPD. Willy Brandt sei damals der Auslöser für ihn gewesen, bei den Sozialdemokraten mitzumachen, erinnerte sich Wolfgang Schönberg – die Politik des damaligen Bundeskanzlers, die zur Entspannung mit dem Osten beigetragen habe, habe ihm imponiert. Willy Brandt sei für ihn eine Lichtgestalt gewesen, wie man sie heute in der Politik leider vergeblich suche.

Quelle: Badische Zeitung vom 6.12.2017

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