Bad Säckinger Spitaldebatte zieht weite Kreise

Das Thema medizinische Versorgung im ländlichen Raum stand im Mittelpunkt der SPD-Kreisversammlung, am Montag im Kursaal. Kreisvorsitzende, Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter hatte hierfür den Arbeitskreis Soziales der SPD-Landtagsfraktion aufs Podium geholt. Die Veranstaltung war öffentlich, dennoch kamen nur wenige Bürger in den Kursaal.

Diejenigen die da waren – vorwiegend vom Förderverein Pro Spital –, sahen in dem vom Arbeitskreis Soziales vorgestellten Zehn-Punkte Programm zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in Teilen die spezifischen Gegebenheiten im Landkreis nicht ausreichend abgebildet. Hier ganz vorne: die Spitalfrage. Zu Sprache kam immer wieder das mittlerweile extrem gestörte Vertrauensverhältnis zum Träger in Waldshut, die mangelnde Dialogbereitschaft auf dieser Seite.

Rainer Hinderer, Sprecher für Gesundheits- und Suchtpolitik und Vorsitzender des Sozialausschusses im Landtag räumte nach etlichen Wortmeldungen, bei denen an den Fakten die Emotionen hochkochten, ein, die Situation vor Ort nicht im Detail zu kennen. Grundsätzlich trage die SPD die Planung zur Zentralisierung und Spezialisierung der Kliniken von Sozialminister Lucha mit. Gleichwohl gelte es, jeden Standort einzeln zu untersuchen. Seine Einschätzung nach der Veranstaltung: „Was hier offensichtlich nicht klappt, ist der Dialogprozess“. Es müsse schnell eine Lösung her, damit das Bad Säckinger Spital in der Lage ist, dass die Bevölkerung dort gut versorgt werden könne – „ganz egal was später kommt“.

Diese Haltung vertritt bekanntlich auch Rita Schwarzelühr-Sutter, die am Montag unter anderem nochmals auf die schwierigen topographische Verhältnisse verwies. Schwarzelühr-Sutter: „Auch wenn es nicht unbedingt wirtschaftlich ist, muss eine gute Versorgung gewährleistet sein.“ Man könne nicht warten, bis irgendwann ein Zentralkrankenhaus gebaut wird. Ähnlich positionierte sich am Montag auch Karin Rehbock-Zureich.

Bürgermeister Alexander Guhl pocht weiter auf die Einhaltung der Beschlüsse des Kreistages vom 11.11.2015: „Ich erwarte, dass der Beschluss zur Sanierung endlich umgesetzt wird.“ Eine gute medizinische Versorgung sei im Kreis Waldshut nur mit zwei Klinik-Standorten zu machen, unterstrich Guhl nochmals seine Überzeugung: „Ich werde mich mit einem Zentralklinikum nie abfinden können.“ Ein funktionierendes Spital – zuständig für den gesamten Westkreis – sei nicht zuletzt „Rückgrat“ des Gesundheitsstandorts.

Jürgen Stadler, stellvertretender Vorsitzender von Pro Spital, ehemals Chefarzt im Bad Säckinger Krankenhaus, sparte am Montag wiederholt nicht mit Kritik an den Verantwortlichen. Grund für den Bau des Spitals 1980 sei die entsprechende Stärkung des ländlichen Raums gewesen. Davon sei heute nichts mehr zu spüren. „Die Gesundheitsversorgung vor Ort und im Kreis ist nicht in Ordnung, sie ist im Eimer“, nahm Stadler Bezug auf Statements vonseiten des Trägers. „Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen im Landkreis Waldshut.“

Stadler sprach von fehlender Gesprächsbereitschaft aufseiten der Gesellschafter und gebrochenem Vertrauen. Und solange man so mit Fachleuten umgehe, werde man auch dem Personalmangel bei den Ärzten nichts entgegenzusetzen haben. „Wie sind nicht nur besorgt, wir sind verzweifelt“, schimpfte Stadler. Rolf Metzger schilderte die Geschichte eines Notfalls in der eigenen Familie – mit vier Tagen Wartezeit auf die OP. Metzger – und nicht nur er – übte harsche Kritik am Sozialminister Lucha, der Anfragen und Briefe nicht beantworte: „So erzeugt man Wutbürger.“ „Eine Zusammenarbeit mit Waldshut ist nicht mehr möglich“, sagte Vorsitzende Beatrix Köster, die sich deshalb für ein Bürgerspital einsetzt.

Die Frage, ob ein Spital immer schwarze Zahlen schreiben müsse, beantwortetet Anderas Kenner, Sprecher für Jugend-, Familien- und Seniorenpolitik im Landtag. Er glaube nicht, dass ein Spital, das, nachdem es rote Zahlen geschrieben habe, so aufgestellt worden sei, dass es schwarze Zahlen vorweisen könne, noch den selben hohen Standard wie vorher bieten könne. Letztendlich entscheide der Träger, ob er Defizite auf Dauer finanzieren wolle. Das sei eben eine Grundsatzfrage. „Man kann nicht immer nur von Kosten sprechen“, sagte Alexander Wunderle, Vorsitzender des SPD-Ortvereins.

Eine kleine Ehrung für seine Arbeit im Landtag und den Einsatz fürs Spital, gab es für Hidir Gürakar. Rita Schwarzelühr-Sutter überreichte ein Buch mit einer Widmung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Quelle: Südkurier vom 5. Juli 2017

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